Definition der Estrada-Doktrin

In der Geschichte der mexikanischen Politik stellt die sogenannte Estrada-Doktrin einen Meilenstein dar und ist wiederum ein Maßstab für das Völkerrecht.

Der historische Kontext

1913 befand sich Mexiko mitten im revolutionären Prozess, und die Machtergreifung hing in hohem Maße von der möglichen politischen Unterstützung der Vereinigten Staaten ab, eines Landes, das nicht nur der natürliche Nachbar ist, sondern sich zu dieser Zeit auch am meisten präsentierte mächtiges Land auf dem Planeten.

Im revolutionären Kontext wurden der Präsident und der Vizepräsident der Nation verhaftet und begingen schließlich auf Druck der Vereinigten Staaten Selbstmord. Angesichts dieser Umstände war es notwendig, eine Maßnahme zum Schutz der nationalen Souveränität zu ergreifen, da befürchtet wurde, dass der nördliche Nachbar in die Innenpolitik eingreift.

1917 hatte Mexiko eine neue Verfassung und befindet sich mitten in der postrevolutionären Phase, aber es gab immer noch eine Phase des politischen Aufbrausens. In dieser Situation war es unerlässlich, dass die Nation eine klare internationale Anerkennung und eine nahtlose politische Unabhängigkeit erlangte.

Die Estrada-Doktrin basiert auf dem Prinzip der Nichteinmischung und der Achtung der nationalen Souveränität der Völker

1930 legte der Außenminister Gerardo Estrada die nach ihm benannte Doktrin vor. Ihr grundlegender Beitrag ist folgender: Keine Regierung verlangt die Anerkennung anderer Nationen, um ihre eigene Souveränität zu übernehmen. Dieser Ansatz setzt eine ausdrückliche Ablehnung jeglicher Form ausländischer Eingriffe in die Angelegenheiten der Regierung einer Nation voraus.

Die meisten Historiker sind sich einig, dass diese Doktrin auf der Ablehnung der internationalen Politik der Vereinigten Staaten beruht, die bereits die Nichtanerkennung einiger ausländischer Regierungen gefördert hatte, insbesondere jener, die aus revolutionären Prozessen oder Militärputschen hervorgegangen waren.

Die Estrada-Doktrin entstand als Reaktion auf zwei außenpolitische Ansichten: die Tobar-Doktrin und die Monroe-Doktrin.

Nach dem ersten müssen sich die Nationen des amerikanischen Kontinents weigern, eine Regierung anzuerkennen, die aus einem revolutionären Prozess hervorgegangen ist, und daher verteidigt die Tobar-Doktrin eine Position des indirekten Interventionismus. Die Monroe-Doktrin fördert die Nichteinmischung europäischer Nationen auf dem amerikanischen Kontinent und stärkt andererseits eine privilegierte Position der Vereinigten Staaten gegenüber den übrigen amerikanischen Nationen.

Die Estrada-Doktrin widersetzt sich beiden und mit ihr wird eine respektvolle Haltung gegenüber den inneren Angelegenheiten Mexikos und jeder anderen Nation gefördert.

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